87.000 Euro Steuernachteil für Selbstnutzer? Warum?

Erol Jasharoski
Geschrieben von:
Erol Jasharoski

Deutschland gilt seit vielen Jahren als Land der Mieter. Gleichzeitig betonen Politik und Wirtschaft regelmäßig, wie wichtig Wohneigentum für die private Altersvorsorge ist. Wer im Ruhestand keine Miete mehr zahlen muss, verfügt oft über einen größeren finanziellen Spielraum und ist weniger stark von steigenden Wohnkosten betroffen. Umso überraschender ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Wer eine Immobilie selbst nutzt, kann steuerlich deutlich schlechter gestellt sein als jemand, der dieselbe Immobilie vermietet. In den sieben größten deutschen Städten summiert sich dieser Unterschied laut Studie auf bis zu 87.000 Euro.

💡 Die IW-Studie zeigt, wie wichtig Wohneigentum für die Altersvorsorge ist. Doch was tun, wenn das Vermögen in der Immobilie steckt und im Alltag Liquidität fehlt? Unser kostenfreies Infopaket zeigt Ihnen verschiedene Möglichkeiten der Immobilienverrentung verständlich und unverbindlich.

Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. Schließlich verfolgt der Staat das Ziel, mehr Menschen den Weg ins Eigenheim zu ermöglichen. Warum profitieren dann ausgerechnet Kapitalanleger von steuerlichen Vorteilen, die Selbstnutzer nicht erhalten? Und welche Folgen hat das für Vermögensaufbau, Altersvorsorge und die ohnehin niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland?

Gerade für Eigentümer im Ruhestand ist diese Frage von besonderer Bedeutung. Viele Senioren besitzen zwar eine schuldenfreie Immobilie und damit einen erheblichen Vermögenswert. Gleichzeitig reichen die laufenden Renteneinkünfte oft nur knapp aus, um steigende Lebenshaltungskosten, Modernisierungen oder mögliche Pflegekosten zu finanzieren. Die eigene Immobilie ist damit zwar ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge, sie schafft aber nicht automatisch zusätzliche Liquidität.

Die IW-Studie geht deshalb über eine reine Steuerbetrachtung hinaus. Sie zeigt, wie das deutsche Steuersystem die wirtschaftliche Attraktivität von Selbstnutzung und Vermietung unterschiedlich beeinflusst und welche Folgen das langfristig für Eigentümer haben kann. Gleichzeitig ordnet sie Deutschland im europäischen Vergleich ein und zeigt, dass viele Nachbarländer selbstgenutztes Wohneigentum deutlich stärker fördern.

In diesem Artikel erklären wir die wichtigsten Ergebnisse der Studie verständlich und ordnen sie kritisch ein. Außerdem zeigen wir, welche politischen Reformvorschläge diskutiert werden und welche Bedeutung diese Entwicklungen für Eigentümer, Senioren und Kapitalanleger haben.

Das Wichtigste in Kürze

Was untersucht die IW-Studie zum steuerlichen Nachteil von Selbstnutzern?

Die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) vergleicht zwei identische Immobilienkäufe und zeigt: Selbstnutzer sind nach geltendem deutschen Steuerrecht häufig schlechter gestellt als Vermieter, obwohl beide dieselbe Immobilie erwerben. Verglichen werden:

  • Einziger Unterschied: Selbstnutzung oder Vermietung
  • Kaufpreis: 300.000 Euro
  • Identische Finanzierung
  • Identische Haltedauer

Warum haben Vermieter steuerliche Vorteile gegenüber Selbstnutzern?

Vermieter dürfen Schuldzinsen, Abschreibungen (AfA), Instandhaltungskosten und weitere Werbungskosten steuerlich geltend machen. Selbstnutzer können diese Ausgaben grundsätzlich nicht von der Einkommensteuer absetzen. Zu den wichtigsten steuerlichen Vorteilen für Vermieter gehören:

  • Steuerliche Verlustverrechnung
  • Abschreibung (AfA)
  • Schuldzinsen
  • Renovierungskosten
  • Werbungskosten

Wie hoch ist der steuerliche Nachteil für Selbstnutzer laut IW?

Laut der IW-Studie beträgt der finanzielle Nachteil im Grundmodell rund 34.338 Euro. Für eine durchschnittliche 100-Quadratmeter-Wohnung in den sieben größten deutschen Städten steigt dieser Unterschied auf bis zu 87.473 Euro.


Bedeutet die Studie, dass Vermieten grundsätzlich besser ist als Selbstnutzen?

Nein. Die Studie bewertet ausschließlich die steuerlichen Auswirkungen. Eine selbstgenutzte Immobilie bleibt ein wichtiger Baustein der privaten Altersvorsorge, weil sie langfristig Mietkosten spart und Vermögen aufbaut.


Podcast-Empfehlung: Warum Selbstnutzer steuerlich benachteiligt werden

Die Ergebnisse der aktuellen IW-Studie haben wir auch ausführlich in einer Folge unseres Podcasts „Immobilien & Rente“ aufgegriffen. Dort erklären wir Schritt für Schritt, warum Vermieter nach geltendem Steuerrecht häufig bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen vorfinden als Selbstnutzer und wie die Studie zu einem möglichen Nachteil von bis zu 87.000 Euro gelangt. Dabei ordnen wir die Zahlen nicht nur ein, sondern diskutieren auch, welche Annahmen hinter der Modellrechnung stehen und welche Bedeutung sie für Immobilieneigentümer in der Praxis haben.

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Die IW-Studie: Warum Selbstnutzer schlechter gestellt sind

Um die Ergebnisse richtig einordnen zu können, ist zunächst wichtig zu verstehen, was die IW-Studie überhaupt untersucht. Verglichen wird nicht das Leben zur Miete mit dem Leben im Eigenheim. Stattdessen betrachtet die Studie zwei Personen, die unter identischen Bedingungen dieselbe Immobilie kaufen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die eine Person die Immobilie selbst bewohnt, während die andere sie vermietet. Genau dieser Vergleich macht sichtbar, welche Auswirkungen das deutsche Steuerrecht auf beide Nutzungsarten hat.

Das Grundmodell der Studie

Als Grundlage dient eine Bestandsimmobilie mit einem Kaufpreis von 300.000 Euro. Hinzu kommen 24.000 Euro Kaufnebenkosten, sodass sich eine Gesamtinvestition von 324.000 Euro ergibt. Beide Käufer bringen 60.000 Euro Eigenkapital ein und finanzieren 240.000 Euro über ein Bankdarlehen mit einem Zinssatz von 3,72 Prozent. Auch alle weiteren Annahmen sind identisch: eine anfängliche Bruttomietrendite von 4 Prozent, jährliche Mietsteigerungen von 1 Prozent, eine Wertsteigerung der Immobilie von 3 Prozent sowie 3.000 Euro Instandhaltungskosten pro Jahr. Die Haltedauer beträgt 15 Jahre.

Wo entsteht der steuerliche Unterschied?

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Finanzierung oder der Immobilie selbst, sondern in der steuerlichen Behandlung.

Ein Vermieter erzielt Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Deshalb darf er zahlreiche Kosten steuerlich geltend machen. Dazu gehören unter anderem:

  • Schuldzinsen für den Immobilienkredit
  • Instandhaltungs- und Renovierungskosten
  • Werbungskosten
  • die Absetzung für Abnutzung (AfA) auf den Gebäudeanteil

Der Selbstnutzer hat zwar dieselben Ausgaben, kann diese jedoch grundsätzlich nicht von der Einkommensteuer absetzen. Er finanziert Zinsen, Instandhaltung und Modernisierungen aus bereits versteuertem Einkommen. Genau darin sieht die Studie den wesentlichen strukturellen Unterschied.

Warum der Cashflow beim Vermieter höher ausfällt

Besonders anschaulich wird dieser Unterschied anhand der Beispielrechnung für das zweite Jahr.

Der Vermieter erzielt 12.120 Euro Mieteinnahmen. Davon werden 8.928 Euro Kreditzinsen, 3.000 Euro Instandhaltungskosten sowie 4.800 Euro Abschreibung abgezogen. Dadurch entsteht steuerlich ein Verlust von rund 4.600 Euro. Dieser Verlust führt bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 42 Prozent zu einer Steuerersparnis von 1.935 Euro. Obwohl die Abschreibung kein tatsächlicher Geldabfluss ist, reduziert sie die Steuerlast und verbessert den tatsächlichen Cashflow. Dadurch verbleiben dem Vermieter 2.127 Euro.

Beim Selbstnutzer wird derselbe Wohnwert als ersparte Miete berücksichtigt. Da jedoch keine steuerlichen Abzugsmöglichkeiten bestehen, verbleibt unter denselben Annahmen lediglich ein positiver Cashflow von 192 Euro. Dieser Unterschied entsteht also nicht durch höhere Einnahmen, sondern ausschließlich durch die unterschiedliche steuerliche Behandlung.

Vergleich Selbstnutzer und Kapitalanleger nach IW-Studie 2026

Das Ergebnis der Modellrechnung

Über die gesamte Haltedauer summiert sich dieser Effekt deutlich. Der berechnete Barwert der Investition beträgt beim Vermieter 71.835 Euro, beim Selbstnutzer dagegen nur 37.497 Euro. Daraus ergibt sich ein Vorteil von 34.338 Euro zugunsten der Vermietung. Auch bei der Eigenkapitalrendite zeigt sich ein deutlicher Abstand: Der Vermieter erreicht im Modell 7,1 Prozent, der Selbstnutzer 5,0 Prozent pro Jahr.

Wichtig ist dabei die Einordnung: Diese Zahlen beruhen auf einer Modellrechnung mit klar definierten Annahmen. Persönlicher Steuersatz, Finanzierung, Kaufpreis, Wertentwicklung oder Instandhaltung können im Einzelfall zu anderen Ergebnissen führen. Die Studie zeigt daher keine allgemeingültige Rendite, sondern verdeutlicht den strukturellen Unterschied, den das derzeitige Steuerrecht zwischen Vermietung und Selbstnutzung macht.

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Warum Deutschland im europäischen Vergleich eine Ausnahme ist

Die IW-Studie beschränkt sich nicht auf Deutschland. Um die Ergebnisse besser einordnen zu können, vergleichen die Autoren das deutsche Steuersystem mit sechs weiteren europäischen Ländern: den Niederlanden, Österreich, Dänemark, Belgien, Frankreich und Irland. Das Ergebnis ist eindeutig: Deutschland ist das einzige der untersuchten Länder, in dem die Selbstnutzung einer Immobilie steuerlich schlechter gestellt ist als die Vermietung.

Diese Erkenntnis ist deshalb bemerkenswert, weil viele politische Diskussionen in Deutschland davon ausgehen, dass Wohneigentum bereits ausreichend gefördert wird. Der internationale Vergleich zeichnet jedoch ein anderes Bild.

Andere Länder fördern Selbstnutzer gezielt

Die untersuchten Staaten verfolgen unterschiedliche Ansätze, haben aber eines gemeinsam: Sie schaffen steuerliche Anreize für selbstgenutztes Wohneigentum oder belasten Kapitalanleger stärker als in Deutschland.

Einige Beispiele aus der IW-Studie:

LandBesonderheit
NiederlandeGrunderwerbsteuer von 2 Prozent für Selbstnutzer, 10,4 Prozent für Kapitalanleger
BelgienRegistrierungsgebühren von 3 Prozent für Selbstnutzer, 12,5 Prozent für Vermieter
FrankreichVerkauf des selbstgenutzten Hauptwohnsitzes steuerfrei, Vermietung und Veräußerungsgewinne dagegen steuerpflichtig
IrlandVeräußerungsgewinne bei vermieteten Immobilien werden besteuert
ÖsterreichVermietung unterliegt der Immobilienertragsteuer, Hauptwohnsitz bleibt unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei

Die Systeme unterscheiden sich im Detail erheblich. Manche Länder arbeiten mit niedrigeren Erwerbsnebenkosten für Eigennutzer, andere mit einer stärkeren Besteuerung von Kapitalanlagen. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass selbstgenutztes Wohneigentum steuerlich mindestens gleichwertig oder sogar besser behandelt wird als Vermietungsobjekte.

Der Renditevergleich fällt eindeutig aus

Um die verschiedenen Steuersysteme vergleichbar zu machen, hat das IW dieselbe Modellrechnung auf alle untersuchten Länder übertragen. Dabei wurden die jeweiligen steuerlichen Besonderheiten berücksichtigt.

Das Ergebnis zeigt einen klaren Unterschied:

  • Deutschland: Vermietung 7,1 Prozent, Selbstnutzung 5,0 Prozent
  • Niederlande: Vermietung 2,3 Prozent, Selbstnutzung 11,7 Prozent
  • Belgien: Selbstnutzung deutlich attraktiver als Vermietung
  • Irland: Selbstnutzung ebenfalls klar im Vorteil

Während in Deutschland der Vermieter die höhere Nach-Steuer-Rendite erzielt, kehrt sich dieses Verhältnis in allen anderen untersuchten Ländern um. Besonders deutlich wird dies in den Niederlanden, wo Selbstnutzer durch die niedrigere Grunderwerbsteuer und weitere steuerliche Regelungen erheblich besser gestellt werden.

Was bedeutet das für Deutschland?

Die IW-Studie leitet daraus keine Forderung ab, Vermieter künftig schlechter zu stellen. Im Gegenteil: Die Autoren warnen ausdrücklich davor, steuerliche Vorteile für Kapitalanleger abzubauen. Angesichts des anhaltenden Wohnungsmangels könnte dies private Investitionen in den Wohnungsbau weiter bremsen und damit das Angebot zusätzlich verknappen.

Stattdessen plädiert die Studie dafür, Selbstnutzer gezielt zu entlasten. Als Beispiele nennen die Autoren niedrigere Grunderwerbsteuern oder Freibeträge für selbstgenutztes Wohneigentum sowie zusätzliche Maßnahmen, die den Aufbau von Eigenkapital erleichtern. Ziel wäre es, die bestehende steuerliche Schieflage zu verringern, ohne den Mietwohnungsmarkt zu schwächen.

Gerade vor dem Hintergrund der niedrigen Wohneigentumsquote in Deutschland gewinnt dieser internationale Vergleich an Bedeutung. Er zeigt, dass andere europäische Länder Eigentum stärker als Instrument der privaten Altersvorsorge verstehen und ihre Steuersysteme entsprechend ausgestalten.

Warum das gerade für Senioren und Eigentümer wichtig ist

Die IW-Studie beschäftigt sich in erster Linie mit steuerlichen Rahmenbedingungen. Für viele Senioren und Eigentümer reicht dieser Blick jedoch nicht aus. Denn die entscheidende Frage lautet häufig nicht, ob eine Immobilie die höchste Rendite erzielt, sondern ob sie im Ruhestand ausreichend finanzielle Sicherheit bietet.

Gerade in einer Zeit steigender Lebenshaltungskosten, höherer Pflegekosten und wachsender Anforderungen an die energetische Sanierung gewinnt diese Frage zunehmend an Bedeutung.

Wohneigentum bleibt ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge

Trotz der steuerlichen Nachteile bestätigt die IW-Studie einen Punkt, der seit Jahren durch zahlreiche Untersuchungen gestützt wird: Wohneigentum schützt im Alter vor einem erheblichen Kostenblock. Wer mietfrei wohnt, muss keinen monatlichen Mietzins mehr aufbringen und verfügt dadurch häufig über mehr finanziellen Spielraum als ein vergleichbarer Mieter.

Auch die Studie verweist auf deutliche Unterschiede bei der Altersvorsorge. In der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen weisen lediglich 14 Prozent der Eigentümer eine Vorsorgelücke auf. Bei Mietern liegt dieser Anteil dagegen bei 49 Prozent. Das zeigt, welchen Beitrag selbstgenutztes Wohneigentum langfristig zur finanziellen Stabilität leisten kann.

Hinzu kommt, dass Deutschland mit einer Wohneigentumsquote von rund 44 Prozent deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von etwa 70 Prozent liegt. Viele Experten sehen darin einen Grund dafür, dass Vermögensbildung und private Altersvorsorge hierzulande schwächer ausgeprägt sind als in vielen Nachbarländern.

Vermögen ist nicht automatisch Liquidität

Für viele Senioren beginnt die eigentliche Herausforderung jedoch erst nach dem Eintritt in den Ruhestand.

Über Jahrzehnte wurde das Eigenheim abbezahlt und häufig ist die Immobilie heute der größte Vermögenswert der Familie. Gleichzeitig fallen die laufenden Renteneinkünfte oft deutlich geringer aus als das frühere Erwerbseinkommen. Steigende Kosten für Energie, Instandhaltung oder notwendige Modernisierungen verschärfen diese Situation zusätzlich.

Eine selbstgenutzte Immobilie kann zwar Mietausgaben ersetzen, sie erzeugt jedoch keine laufenden Einnahmen. Wer beispielsweise eine neue Heizung finanzieren, das Haus altersgerecht umbauen oder später Pflegekosten tragen muss, kann diese Ausgaben nicht mit dem Immobilienwert allein bezahlen. Das Vermögen steckt in den eigenen vier Wänden und steht zunächst nicht als frei verfügbares Kapital zur Verfügung.

Gerade deshalb sollte Wohneigentum nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Steuerbelastung betrachtet werden. Ebenso wichtig ist die Frage, wie sich das vorhandene Vermögen im Bedarfsfall sinnvoll nutzen lässt, ohne die eigene Wohnsituation aufgeben zu müssen.

Immobilienverrentung kann eine Option sein

Für Eigentümer, die zwar über ein hohes Immobilienvermögen verfügen, aber zusätzliche Liquidität benötigen, kommen verschiedene Modelle der Immobilienverrentung infrage. Dazu zählen unter anderem der Verkauf mit Nießbrauch, ein lebenslanges Wohnrecht oder der Rückmietverkauf.

Welches Modell geeignet ist, hängt immer von der persönlichen Situation und den individuellen Zielen ab. Aus steuerlicher Sicht gibt es dabei Unterschiede, die auch im Podcast angesprochen werden. Während ein Rückmietverkauf aus Sicht des Kapitalanlegers grundsätzlich wie eine klassische Vermietungsimmobilie behandelt wird, gelten bei einem unentgeltlichen Nießbrauch oder Wohnrecht andere steuerliche Regeln. Für Verkäufer steht jedoch meist eine andere Frage im Mittelpunkt: Wie lässt sich vorhandenes Immobilienvermögen in finanzielle Freiheit umwandeln, ohne das vertraute Zuhause verlassen zu müssen?

Die IW-Studie macht deutlich, dass Wohneigentum langfristig ein wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge bleibt. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen und die finanzielle Nutzbarkeit einer Immobilie zwei unterschiedliche Themen sind. Beide sollten in die persönliche Ruhestandsplanung einbezogen werden.

Im nächsten Kapitel werfen wir einen Blick auf die Reformvorschläge der IW-Studie und darauf, welche politischen Maßnahmen die steuerliche Benachteiligung von Selbstnutzern künftig verringern könnten.

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Welche Lösungen diskutiert werden

Die IW-Studie beschränkt sich nicht darauf, die steuerlichen Unterschiede zwischen Selbstnutzung und Vermietung aufzuzeigen. Sie formuliert auch konkrete Vorschläge, wie Wohneigentum in Deutschland wieder attraktiver werden könnte. Dabei verfolgen die Autoren einen wichtigen Grundsatz: Nicht Vermieter sollen schlechter gestellt werden, sondern Selbstnutzer bessere Rahmenbedingungen erhalten.

Dieser Ansatz ist vor allem deshalb relevant, weil Deutschland gleichzeitig vor einer anderen Herausforderung steht. Es fehlen hunderttausende Wohnungen. Private Investoren spielen deshalb eine zentrale Rolle beim Neubau und bei der Bereitstellung von Mietwohnungen. Würden steuerliche Vorteile für Vermieter gestrichen, könnte dies Investitionen weiter bremsen und den Wohnungsmangel verschärfen.

Die Vorschläge der IW-Studie

Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:

  • Ein Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer, beispielsweise bis 500.000 Euro für selbstgenutztes Wohneigentum.
  • Niedrigere Erwerbsnebenkosten für Eigennutzer, ähnlich wie in einigen europäischen Nachbarländern.
  • Zinsgünstige Nachrangdarlehen, um den Eigenkapitalbedarf beim Immobilienkauf zu senken.
  • Gezielte Förderung des erstmaligen Erwerbs einer selbstgenutzten Immobilie.

Alle Maßnahmen verfolgen dasselbe Ziel: Der Kauf einer selbstgenutzten Immobilie soll insbesondere für Familien und Erstkäufer finanziell leichter werden, ohne den Mietwohnungsmarkt zu benachteiligen.

Frühere Förderungen zeigen den Weg

Deutschland hat selbst bereits verschiedene Instrumente genutzt, um den Erwerb von Wohneigentum zu fördern.

Viele Eigentümer erinnern sich noch an die Eigenheimzulage, die bis Mitte der 2000er-Jahre gezahlt wurde. Später folgte das Baukindergeld, das Familien beim erstmaligen Immobilienerwerb unterstützen sollte. Beide Programme wurden jedoch eingestellt.

Heute bestehen vor allem KfW-Förderprogramme, die beispielsweise zinsgünstige Darlehen für energieeffiziente Neubauten oder Sanierungen ermöglichen. In der Praxis stehen diese Programme allerdings regelmäßig in der Kritik. Förderbedingungen ändern sich, Budgets werden ausgeschöpft und zeitweise werden Anträge sogar gestoppt. Dadurch fehlt vielen Kaufinteressenten die notwendige Planungssicherheit.

Zwischen Eigentumsförderung und Wohnungsbau

Die Diskussion zeigt, dass es keine einfache Lösung gibt. Einerseits wünschen sich viele Experten stärkere Anreize für selbstgenutztes Wohneigentum, weil Eigentum einen wichtigen Beitrag zur privaten Altersvorsorge leisten kann. Andererseits braucht Deutschland auch private Kapitalanleger, die Wohnungen bauen, kaufen und vermieten.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Ansatz der IW-Studie ausgewogen. Statt bestehende Anreize für Vermieter abzubauen, sollen zusätzliche Impulse für Selbstnutzer geschaffen werden. Ob und in welcher Form diese Vorschläge politisch umgesetzt werden, bleibt offen. Die Studie liefert jedoch eine fundierte Grundlage für die Debatte und macht deutlich, dass Deutschland im europäischen Vergleich durchaus Spielraum für Reformen hat.

Damit stellt sich abschließend die Frage, welche Erkenntnisse Eigentümer und Kaufinteressenten aus der Studie für ihre eigene Finanz- und Immobilienplanung mitnehmen können.

Fazit: Wohneigentum bleibt wichtig, das Steuersystem wirft aber Fragen auf

Die IW-Studie macht deutlich, dass das deutsche Steuerrecht Selbstnutzer und Vermieter unterschiedlich behandelt. Während Kapitalanleger Schuldzinsen, Abschreibungen und weitere Kosten steuerlich geltend machen können, finanzieren Selbstnutzer ihre Immobilie in der Regel vollständig aus bereits versteuertem Einkommen. Je nach Kaufpreis und Standort kann sich daraus ein erheblicher wirtschaftlicher Unterschied ergeben. Besonders in den sieben größten deutschen Städten zeigt die Studie, wie stark sich dieser Effekt langfristig auswirken kann.

Gleichzeitig sollte dieses Ergebnis nicht zu dem Schluss führen, dass selbstgenutztes Wohneigentum keine sinnvolle Entscheidung ist. Im Gegenteil: Eine schuldenfreie Immobilie reduziert die laufenden Wohnkosten im Ruhestand erheblich und bleibt für viele Menschen einer der wichtigsten Bausteine der privaten Altersvorsorge. Die Studie zeigt vielmehr, dass zwischen dem gesellschaftlichen Ziel, mehr Wohneigentum zu schaffen, und den aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen eine Diskrepanz besteht.

Für Sie als Eigentümer oder Kaufinteressent bedeutet das vor allem eines: Betrachten Sie eine Immobilie nicht ausschließlich unter steuerlichen Gesichtspunkten. Ebenso wichtig sind Ihre persönliche Lebensplanung, Ihre Finanzierung, Ihr Liquiditätsbedarf im Alter und die Frage, wie flexibel Sie auf zukünftige Veränderungen reagieren können. Gerade für Senioren lohnt es sich, frühzeitig verschiedene Möglichkeiten der Immobiliennutzung oder Immobilienverrentung zu prüfen, bevor finanzielle Engpässe entstehen.

Die politische Diskussion über eine stärkere Förderung von selbstgenutztem Wohneigentum dürfte in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Bis dahin bleibt es sinnvoll, die eigenen Entscheidungen auf Grundlage einer ganzheitlichen Betrachtung zu treffen und sich bei steuerlichen oder finanziellen Fragen individuell beraten zu lassen.

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